Ein Synthesizer baut Klänge aus Strom
Kein Holz, keine Saite, kein Fell: Im Synthesizer schwingt Strom. Ein Baustein erzeugt eine Schwingung, der nächste schneidet etwas weg, der dritte bestimmt, wie der Ton anfängt und aufhört. Hier darfst du an allem drehen – kaputtgehen kann nichts.
Zuerst: dein Code
Leg dir oben rechts einen Code an, zum Beispiel mia-7b. Dann bleiben deine Klänge und deine Sequenz gespeichert – auch am nächsten Tag und auf einem anderen iPad.
Für die Vertretung: So läuft die Stunde
Kopfhörer sind Pflicht, sonst hört die Klasse nur Gewusel. Ablauf ohne Musiklehrkraft:
- Adresse an die Tafel: stromkasten.musikwerkzeug.de, jedes Kind legt sich einen Code an.
- Regeltisch (Bereich 1): Der Reihe nach an den vier Bausteinen drehen und dabei Töne spielen.
- Klänge (Bereich 2): Fertige Klänge antippen, verbiegen, den eigenen speichern.
- Schrittmacher (Bereich 3): Ein kurzes Stück bauen und als MP3 mitnehmen.
- Wer schnell ist: Museum (Bereich 4) – sieben berühmte Geräte hören und lesen.
Am Ende einer Stunde ist niemand „fertig“ – das ist eine Werkstatt, kein Weg mit Ziel.
Der Regeltisch
Vier Bausteine – dreh an einem und spiel dabei auf der Klaviatur.
So geht fast jeder Synthesizer vor: erzeugen – filtern – formen – bewegen. Der Schirm zeigt, was dabei herauskommt.
Mehrere Finger gleichzeitig gehen auch. Am Rechner: Tasten a s d f g h j k.
1 Wellenform
Der Oszillator erzeugt die Schwingung – die Form bestimmt die Klangfarbe.
Schwebung: ein zweiter Oszillator, ein winziges bisschen verstimmt – das macht den Klang breit. Sub-Oktave legt einen Ton eine Oktave tiefer darunter.
2 Filter
Das Filter schneidet die hohen Obertöne ab. Zu ist dumpf, offen ist hell.
Resonanz hebt genau die Grenzfrequenz hervor – das typische „Wau“. Die Filterfahrt öffnet das Filter bei jedem Ton kurz und schließt es wieder.
3 Hüllkurve
Sie bestimmt, wie der Ton anfängt, steht und verklingt.
Kurzer Anstieg = Zupfen oder Schlagen. Langer Anstieg = Streichen oder Blasen. Probier beides mit derselben Wellenform.
4 Bewegung und Raum
Ein langsamer zweiter Oszillator (LFO) bringt den Klang in Bewegung.
Auf die Tonhöhe gelegt ergibt der LFO ein Vibrato, auf das Filter gelegt das Wabern (englisch wobble) aus elektronischer Tanzmusik.
Merke
- Oszillator – erzeugt die Schwingung (Sinus, Dreieck, Rechteck, Sägezahn).
- Filter – nimmt Obertöne weg und macht den Klang dumpf oder hell.
- Hüllkurve – Anstieg, Abfall, Halten, Ausklang (englisch ADSR).
- LFO – ein langsamer Oszillator, der andere Regler von selbst bewegt.
Klänge zum Weiterdrehen
Antippen, hören, verbiegen – und den eigenen behalten.
Jede Karte ist eine fertige Einstellung des Regeltischs. Tipp sie an: Du hörst eine kurze Melodie, und alle Regler springen auf die neuen Werte. Danach ist der Klang deiner – dreh weiter.
Deine eigenen Klänge
Wenn dir etwas gefällt: Namen eintragen und sichern. Deine Klänge stehen beim nächsten Mal wieder da – und du kannst sie im Schrittmacher benutzen.
Der Schrittmacher
Sechzehn Schritte, ein Takt – so bauen elektronische Musikerinnen und Musiker ihre Stücke.
Ein Sequenzer spielt immer dieselben sechzehn Schritte und springt dann zurück. Jeder Schritt ist ein Sechzehntel. Tipp die Felder an: oben das Schlagzeug, unten die Melodie mit deinem Klang aus dem Regeltisch.
Die vier dickeren Spalten sind die Zählzeiten 1 2 3 4. Eine Bassdrum auf jede Zählzeit klingt nach Techno, eine auf 1 und 3 nach HipHop.
Dein Stück mitnehmen
Das Gerät rechnet vier Durchläufe aus und packt sie als MP3 – nichts geht dafür ins Internet.
Klangrezept drucken
Alle Reglerstellungen und dein Raster auf einem Blatt – zum Abheften oder als PDF sichern.
Museum der Geräte
Sieben Geräte, die den Klang der letzten hundert Jahre verändert haben.
Die Bausteine vom Regeltisch gab es lange vor dem iPad – nur als Schränke voller Kabel. Bei jedem Gerät kannst du hören, wofür es berühmt wurde. Nachgebaut mit den Reglern von Bereich 1: Es klingt ähnlich, nicht gleich.
Der rote Faden
Erst wurde Strom zum Klingen gebracht (Theremin, Trautonium). Dann wurden die Bausteine zusammengesteckt (Moog). Dann wurden sie tragbar (Minimoog). Dann kamen Maschinen mit Gedächtnis (TR-808, TB-303). Und dann rechnete der Computer den Klang digital aus (DX7) – so wie dieses iPad es gerade tut.